Das Busquet

Das Mausoleom

Das Mausoleom

Etwa 250 m nördlich des Gutshauses liegt umgeben von Feldern das sogenannte „Kleine Busquet“, ein schmales parkartiges Wäldchen, das seit 1820 als Gutsfriedhof genutzt wird. Leider gibt es keinen direkten Zugang mehr vom Wirtschaftshof zum Busquet. Durch den Verkauf der landwirtschaftlichen Flächen rund um das Gut ging der Fußweg verloren. Man erreicht es heute über einen landwirtschaftlichen Grasweg, der einen kleinen Bogen in nordwestlicher Richtung schlägt. Im Jahr 2011 richtete die Stadt Preußisch Oldendorf den Besitzern über diesen Grasweg eine Zufahrt für land- bzw. forstwirtschaftliche Fahrzeuge ein.

Im nördlichen Teil des Busquets wurde im Jahr 1838 ein Mausoleum errichtet, in dem zehn Mitglieder der Familien Spiegel beigesetzt sind. Unter anderem stand dort der Sarg der im Dorf berühmten und verehrten letzte Nachfahrin der Desenberger Spiegels (Tante Sophie), die bis zum Jahr 1933 – zuletzt allein – auf Groß Engershausen lebte.

Nur noch in Umrissen zu erkennen ist die Grabstätte des Christian von Berner, Offizier in den Befreiungskriegen 1813/15. Er ließ 1805 eine Pyramide aus Sandsteinen mit einer Grabkammer bauen, in der er 1820 beigesetzt wurde. Das Bauwerk hatte ursprünglich eine Höhe von 7,20 m und eine Grundfläche von 5 qm. Die Grabkammer war mit einer schweren Eichentür abgeschlossen.

Das Busquet im Wandel der Zeiten / Anekdoten
Zur Pyramide kursiert folgende Geschichte: Als Christian von Berner im Jahre 1820 starb, hatte er für den Fall vorgesorgt, dass er lebendig begraben werden würde. Er hatte an der Pyramide eine Glocke angebracht, die er läuten könnte, für den Fall, dass er wieder aufwachen würde. Darum ließ er sich mit der Hand am Klingelzug der Glocke beerdigen. Ob diese Geschichte wahr ist, ist nicht aktenkundig. Es gibt allerdings den Bericht des Maurers Beek aus Engershausen, der um 1900 den Auftrag erhielt, die baufällig gewordene Pyramide abzubrechen und wieder neu aufzubauen. Herr Beek berichtet 1952 über die Arbeiten: „„… Den Sarg stellten wir in eine in das Fundament geschlagene Mulde. Darauf nun und um den Sarg mauerten wir die Bruchsteine wieder auf, gleichfalls in Form einer Pyramide, aber die wurde kleiner als die ursprüngliche. So ist sie noch heute zu sehen. Der zeitige Besitzer sorgt für ihre Erhaltung.““ Die Pyramide wurde seit den 1970er Jahren zerstört, so dass heute nur doch die Grundrisse zu sehen sind. Die Steine liegen noch verstreut vor Ort, so dass eine Restaurierung möglich ist. Dieses ist eine der noch anzugehenden Aufgaben auf Groß Engershausen.

Die Pyramide erlitt damit ein ähnlich radikales Schicksal wie das Mausoleum. Immer wieder versuchten Menschen – wahrscheinlich Jugendliche und Kinder – und durchaus mit Erfolg, sich Zugang zum Inneren des Mausoleums zu verschaffen. Mit und ohne Werkzeug trugen sie Stein um Stein der dicken Bruchsteinmauern ab, bis sie sich hineinwinden konnten. Es war anscheinend zu reizvoll, zu erfahren, wie es unter den Deckeln der aufgestellten Särge aussehen mochte. War die Öffnung nicht groß genug, versuchten sie die Särge von außen mit dicken Ästen aufzuhebeln. Die Zerstörungen wurden im Laufe der Jahre immer unverschämter. Konnte in den 1960er Jahren im Sommer noch die Eisengittertür zum Innenraum des Mausoleums offen stehen, so dass die warme Waldluft eindrang, mussten sich Hiltrud und Carl-Maria v. Spiegel in den 1980er Jahren dazu durchringen, die Eingangstür komplett zuzumauern. Es schien, als nähme der Respekt der Menschen vor Grabstätten von Generation zu Generation ab. So passierte es, dass nach der ersten mutwilligen Öffnung des Mausoleums der Deckel des Sarges von Sophie „nur“ verschoben war. Die Tote selbst lag gut einbalsamiert und sehr friedlich anzusehen auf ihren Kissen. Nach der zweiten Zerstörung hatte man die Gebeine aus ihrer Ordnung gebracht und der Schädel war zunächst nicht mehr aufzufinden. Die Stadtverwaltung Preußisch Oldendorf setzte die Familie v. Spiegel dann aber mit folgendem Schreiben in Kenntnis: „„Sehr geehrter Herr Baron! Aus der Bevölkerung wurde mitgeteilt, dass im Mausoleum offene Särge stehen und dort auch unordentliche Verhältnisse bestehen sollen. Ich bitte, die Angelegenheit zu überprüfen und die offenen Särge wieder ordnungsgemäß zu verschließen. Mit freundlichen Grüßen“ … …“

Der Schädel von Tante Sophie wurde somit erst durch Zufall im Wald wieder aufgefunden, lange nachdem das Mausoleum wieder zugemauert worden war. So musste er – durchaus zum Wonnegruseln der Kinder – einige Jahre in einer Keksdose aufbewahrt werden. Erst im Jahr 2000, als das Mausoleum gründlich restauriert wurde, kehrte er an seinen rechtmäßigen Platz zurück. Vielleicht liegt es auch an der immer wiederkehrenden Störung der Totenruhe, dass Tante Sophie keine Ruhe fand und spuken musste. Geschichten darüber kursieren im Dorf Engershausen seit ihrem Tod. Auch in den 1980er und 1990er Jahren war sie im Haus durchaus noch aktiv (siehe dazu die Anekdoten unter Haus und Hof / Geschichte des Hauses / Familie Spiegel zum Desenberg).

Umgestaltung, Restaurierung
Im Jahr 2000 war das Mausoleum so beschädigt, dass es an mehreren Stellen zugemauert werden musste. Familie v. Spiegel nutzte die Gelegenheit zu einer umfassenden Instandsetzung, wobei auch das Westfälische Amt für Denkmalpflege einen Zuschuss gewährte. Um weiteren Einbrüchen vorzubeugen, wurden die am Besten erhaltenen Särge in der hinteren Grabkammer aufgestellt, die durch eine gesonderte Tür von der größeren vorderen Grabkammer getrennt ist. Die sterblichen Überreste der Toten wurden (jeweils sorgsam getrennt) zu Dritt in einen Sarg gebettet. Es wird hiermit versichert, dass sich keine wertvollen Grabbeigaben in der Kammer befinden, so dass es sich nicht lohnt, erneut einzubrechen!!!

Die Fenster zur vorderen Grabkammer wurden nicht verglast, sondern mit einem Gitter versehen, so dass man von außen hineinsehen kann. Die eicherne Tür zum Mausoleum lässt sich aufschließen; aber leider hat man schon wieder versucht, die Tür aufzubrechen, weshalb die Klinke abgeschraubt und die Tür zusätzlich gesichert werden musste.

Auch das Busquet musste gründlich durchforstet werden. Heute stellt es sich als lichter, hauptsächlich mit alten Buchen und Eichen bestandener Park dar, der eine wunderbare Ruhe und Unberührtheit vermittelt, die zur Meditation einlädt.

Heutige Nutzung
Im Mausoleum fand im Jahr 2001 erstmals wieder die Beisetzung einer Urne statt. Die zweite Beisetzung erfolgte im Jahr 2013. Das Mausoleum wird somit auch weiterhin als Grabstätte genutzt. Vorausgesetzt, es gelingt wieder neu, den Menschen Respekt vor der Ruhe der Toten zu vermitteln.

 

  • Sandsteininschrift
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