Der Park

Sommer-im-ParkDas kleine, heute als „Park“ bezeichnete Waldstück grenzt das Grundstück südwestlich gegen das Dorf Engershausen ab und zieht sich ein Stück in Richtung Westen weiter. In Richtung Norden gab bis zu den 1960er Jahren einen kleinen Fußweg zum kleinen Busquet, in dem das Mausoleum und die Grabpyramide ihren Platz haben. Beide Waldstücke stellen sich heute als lichte Anlagen mit einem bis zu 200 Jahre alten Baumbestand dar, in denen im Frühjahr vielfältige Geophyten ihren zauberhaften Reiz entfalten. Neben Schneeglöckchen bevölkern jedes Jahr mehr gelbe und blaue Krokusse und später auch Narzissen den Waldboden und zur Zeit der Buschwindröschen legt sich ein weißer Schleier über die gesamte Fläche. Sie werden abgelöst von Maiglöckchen, Aaronstab und Salomonssiegel und im Frühsommer folgen Kuckuckslichtnelken und später Weidenröschen.

Der Park im Wandel der Zeiten
Beide Waldstücke wurden vor etwa 170 Jahren angelegt. Zuvor gab es im Anschluss an die Gräfte nur Felder und Wiesen. Insgesamt war das Land eher sumpfig, was auch die Pfahlgründungen der meisten Herrenhäuser in dieser Gegend erklärt. Nicht alle Parkbäume sind so alt, denn anscheinend hat Gebhard, der erste der Familie Spiegel v.u.z. Peckelsheim, als er das Gut von Sophie Spiegel zum Desenberg übernahm, einen Großteil der alten Bäume abgeholzt, um mit dem Erlös die weichenden Erben auszuzahlen.

Der Park war im Stil der englischen Landschaftsgärten angelegt; er ist jedoch wesentlich kleiner, nicht so repräsentativ wie der Park des angrenzenden Schlosses Hüffe mit seiner Sichtachse auf das Wiehengebirge. Im 20. Jahrhundert überwog dann die forstwirtschaftliche Nutzung; der Gedanke des Landschaftsgartens spielte keine Rolle mehr. Als nach dem 2. Weltkrieg Olga und Raban Spiegel v.u.z. Peckelsheim nach Groß Engershausen kamen, bepflanzten sie die sog. Fohlenwiese als Verlängerung des Parks in nördlicher Richtung mit Pappeln. Das war in dieser Zeit eine traditionelle Form, die Aussteuer der Tochter zu finanzieren, denn Pappeln sind in etwa 25 Jahren schlagreif. Die Tochter wurde – zunächst – nicht geboren; Familie v. Spiegel zog zurück nach Bielefeld, das Haus wurde zum Hotel umgebaut und die Pappeln wuchsen weiter bis ins neue Jahrtausend. Der gesamte Gutspark wurde im Jahr 1964 unter Naturschutz gestellt, was dazu führte, dass er weiter verwilderte. Besonders der sumpfige Pappelwald, aber auch andere Teile des Parks waren bis zu den Jahren 2005/06 mit einem bis zu 3 m hohen, teilweise undurchdringlichen Holundergestrüpp überzogen, wodurch er vielen Vögeln, u.a. auch mehreren Nachtigallen eine Wohnstätte bot.

In dieser Zeit wurde ohne Zutun der Familie v. Spiegel der Naturschutz für den Park aufgehoben; was diese zum Anlass nahm, neu über den ursprünglichen Parkcharakter der Anlage nachzudenken. Auf Anregung und mit Unterstützung von Dr. Klaus-Henning v. Krosigk (Leiter der Gartendenkmalpflege beim Landesdenkmalamt Berlin) und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. gründete sich parallel der Verein Herrenhäuser und Parks im Mühlenkreis e. V. Der Verein machte sich u.a. zur Aufgabe, die Besitzer der Herrenhäuser bei der Wiederherstellung und Pflege ihrer Parks zu beraten und zu unterstützen. Er beauftragte den Landschaftsarchitekten Dipl. Ing. Christhard Ehrig (DGGL, Bielefeld) exemplarisch für die Gutsanlage Groß Engershausen ein Parkpflegewerk zu erarbeiten, das dann als Richtlinie bei der Umgestaltung des Parks wertvolle Dienste leistete.

Umgestaltung, Restaurierung
Nach den Grundsätzen und Vorgaben des Parkpflegewerks stellt die Familie v. Spiegel nun seit dem Jahr 2006 auch den Landschaftsgarten wieder her. Der düstere Pappelbestand wurde gerodet, die ehemalige Fohlenwiese wieder angelegt (dieses Mal jedoch für Schafe) und durch die Neupflanzung von Solitärbäumen gestaltet. Durch diese Maßnahme kommen auch die mächtigen 200jährigen Buchen und Eichen am Saum der Wiese wieder angemessen zur Geltung. Die den Park einfassende, aber durchgewachsene Weißdorn- und Hainbuchenhecke wird durch gezielten Rückschnitt und entsprechende Nachpflanzungen wieder neu als Hecke angelegt. Der Park selbst wurde inzwischen mehrfach durchforstet, um den alten Bäumen wieder Luft und Licht zur weiteren Entfaltung zu verschaffen und nachwachsende Schösslinge zu fördern. Eine beliebte Beschäftigung war das alljährliche, flächendeckende Ausziehen Hunderter „“Ahörnchen““ und Eschenschösslinge, die die potentielle natürliche Vegetation unterdrücken. Jedes Jahr wurden einige tausend Krokusse und auch Narzissen eingesetzt, die im Frühjahr das Auge der Spaziergänger erfreuen und auch die von der Gräfteninsel in den Park umgesetzten Rhododendren entfalten wieder ihren besonderen Blütenreiz im Mai.

Außenstehende mögen das Vorgehen durchaus als Naturfrevel deuten. In Zeiten, in denen der Bestand jedes Baumes verteidigt wird, ist es vielleicht nicht ohne weiteres verständlich, wenn Bäume „ohne Not“ gefällt werden. Auch den Nachtigallen hat das nicht gefallen; sie sind teilweise in die Hecken der „Masch“ umgezogen. Ein Park ist allerdings auch ein Kulturgut, das erhalten und gepflegt werden muss, wodurch man in Widerspruch zu den Ansprüchen des Naturschutzes geraten kann. Familie v. Spiegel hat sich entschieden, in diesem Fall der Kultur den Vorrang zu geben, im Sinne der Erhaltung des Gesamtensembles von Gut und Park. Dabei musste sie allerdings einige Einschränkungen hinnehmen. Die Rehe mochten die Krokusse, besonders die blauen und weißen, besonders gern, so dass sie sie mitsamt der Zwiebeln erntete, Auf das Nachpflanzen wurde somit verzichtet.

Zudem bleibt der Park mit seinen Solitärbäumen nur dann licht, wenn man ihn von den schon erwähnten jungen Schößlingen frei halten kann. Das gelingt dauerhaft nicht durch Handarbeit und Zupfen. Eine Lösung war, den Park einzuzäunen und die Säuberung den sog. Kulturdamen   zu übergeben. Die robusten, genügsamen Herdvik-Schafe (Wickies) haben diese Aufgabe mit Hingabe übernommen. Leider mögen sie auch Efeu besonders gerne – man kann nicht alles haben. Und die neue Rhododendronpflanzund musste ebenfalls durch einen Zaun geschützt werden, vor allem, weil er giftig für Schafe ist, was sie aber nicht „einsehen“ wollen.

Heutige Nutzung
So ist der Park leider auch für Spaziergänger nicht mehr zu nutzen, die gerne auch ihre Hunde dort sparieren führten. Nun bietet er Lebensraum für einige Fasane, einen Hasen und manchmal auch einen Sprung Rehe. Die etwa 50 – 100 Wildenten, die die Gräfte bevölkern, schätzen dem Anschein nach den Schutz, den die umstehenden Bäume bieten.