1750-1838 Die Freiherren von Berner

BernerHausohneAnbauDer hessische Appellationsrat Gustav Friedrich v. Berner und sein Sohn, der Hessische Präsident Ludwig August Friedrich v. Berner sind die Erbauer der heutigen Hofanlage. Gustav Friedrich v. Berner kauften sie im Jahr 1750 und verpachteten sie zunächst. Sie errichteten 1773 die große Durchfahrtsscheune und weitere Ökonomiegebäude einschließlich der Zuwegung aus nordöstlicher Richtung.

Es ist zu vermuten, dass das anschließend gebaute Gutshaus als Alterssitz diente. Die Datierung der Umgebungskarte 1781 mit dem Grundriss des Vorgängerbaus sowie die auf 1784 datierte Hausglocke im rückwärtigen Glockenerker lassen das Jahr 1783 als Erbauungsjahr annehmen. Das nebenstehende Gemälde von Carl Ludwig Alpers (aus: Ernst Helmut Segschneider: Carl Ludwig Alpers. Seine Osnabrücker Heimat in Bildern aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, Verlag H Th. Wenner, S. 18) zeigt, dass das Haus zunächst dreiachsig symmetrisch gebaut war; den Anbau fügte erst die Familie v. Spiegel an. Der Glockenerker war oben auf dem Dach angebracht.

Es ist beurkundet, dass Ludwig August Friedrich v. Berner im Jahr 1806 das Gutshaus bewohnte; im Jahr 1813 vererbte er das Gut an seine Söhne Christian und Friedrich v. Berner. Christian starb schon 1820 und wurde in der Pyramide bestattet, die dieser sich noch zu Lebzeiten hatte errichten lassen. Die Leute erzählten sich, dass er aus Angst vor einem Scheintod einen Glockenzug in die Pyramide legen ließ, der ihm beim Begräbnis in die Hand gelegt wurde, damit er läuten könnte, wenn er wieder aufwachen würde.

Über die Residenz der Familie v. Berner auf Groß Engershausen gibt es wenig Rühmliches zu berichten. Allem Anschein nach verhielt sie sich im wahrsten Sinne des Wortes asozial. Man nahm wenig Rücksicht auf das Leben der Dorfbewohner und neben den Abgaben, die diese ohnehin zu leisten hatten, trieb man auch noch das gutseigene Vieh auf die Gemeinschaftswiesen des Dorfes, die den Bauern gehörten. So kam es u.a. dazu, dass diese sich eines guten Tages zusammentaten und die Blumenrabatten der Familie auf der Gräfteninsel kurz und klein schlugen. Im Stadtarchiv von Preußisch Oldendorf ist nachzulesen, dass Herr v. Berner daraufhin zu Gericht ging, um die Bauern auf Schadenersatz zu verklagen. Das Gericht nahm jedoch die Klage nicht an, weil allgemein bekannt war, wie rüpelhaft er vorging.

Friedrich betrieb 1835 die Löschung der Fideikommiß-Qualität des Gutes (Informationen hierzu siehe http://www.coresno.com/glossar.html). Das bedeutete, dass er Groß Engershausen nun verkaufen konnte, was auch geschah (siehe die Ausführungen zur Familie Spiegel zum Desenberg). Er wanderte anschließend in die USA aus, wo sich die Spuren der Familie v. Berner verlieren.

Für interessierte Leser ist hier eine Geschichtsarbeit zum Thema Leibeigenschaft eingefügt, die sich exemplarisch auf die Familie von Berner bezieht: als PDF-Download von Moritz v. Spiegel

Thema: Zur Aufhebung der Leibeigenschaft durch den Grundherrn im frühen 19. Jahrhundert: Befreiung für wen?
Am Beispiel des Herrn v. Berner auf dem Gut Groß Engershausen