1934-1945 Reichsarbeitsdienst

ArbeitsdienstBlickausLesezimmerNach dem Tod von Sophie Freiin Spiegel zum Desenberg im Jahr 1933 gab es keinen Erben mehr, der aus der Desenberger Linie stammte. Laut der alten Familienvereinbarung fiel das Gut daher an die „Peckelsheimer Linie“ (also die Teile der Familie, die vor etwa 1000 Jahren von der Burg auf dem Desenberg ins Tal gezogen waren.  Somit war Gebhard Freiherr Spiegel v.u.z. Peckelsheim der neue Erbe, der selbst mit seiner Familie auf Spiegelsberge bei Bielefeld wohnte. Es war der Großvater des heutigen Besitzers – Carl-Maria v. Spiegel. Es war eine kritische Zeit denn die Nazis drohten, das Gut wegen des Fehlens der direkten Erbfolge einzuziehen. Um das Erbe nicht gleich wieder zu verlieren, trug er dem weiblichen Reichsarbeitsdienst die Nutzung des Gutshauses als Wohnstätte an, womit die Besitzfrage erst einmal vom Tisch war.

Das Herrenhaus diente nun als Wohnhaus für städtische junge Mädchen, die ihren Arbeitsdienst „auf dem Lande“, also in bäuerlichen Familien ableisteten. Sie betätigten sich als Haushaltshilfen und bei der Kinderbetreuung, aber sie halfen auch bei der Tierversorgung und bei der Feldarbeit. Tagsüber ging es also zur Arbeit auf den umliegenden Höfen; die freie Zeit verbrachten die Mädchen in der im nationalsozialistischen Sinne gestalteten Gemeinschaft auf Groß Engershausen. Für die jungen Frauen muss das eine ereignisreiche Zeit gewesen sein. Über diese Zeit gibt es leider kaum Berichte. In den 1980er Jahren erhielten wir des Öfteren noch Besuch von ehemaligen Arbeitsmaiden, die von der „schönen Zeit“ berichteten. Damals waren wir selbst aber noch voller Abwehr gegenüber solchen Erzählungen. Als wir dann in späterer Zeit ein historisches Interesse daran entwickelten, war es leider schon zu spät.

Uns liegt eine alte, schon vergilbte „Wochenschau“ (Heft 19 vom 11. Mai 1941) vor, in der auf zwei DIN-A-3-Seiten über „Arbeitsmaiden auf Schloss Spiegelberg“ berichtet wird, als befänden sich die Mädchen im Urlaub auf dem Bauernhof. Neben vielen Fotos gibt es einen kurzen Text folgenden Inhalts: “ Ein altes westfälisches Wasserschloss ist die ‚Burg‘ der ‚Schloßfräulein von Groß Engershausen‘ – ist das Lager des Reichsarbeitsdienstes im Ravensberger Land.

Mädel aus dem Industriegebiet bevölkern die Wasserburg und arbeiten auf den schönen alten Fachwerkhöfen. Sie führen hier ein Leben , daß sich mit dem der Schloßfräulein in alten Romanen kaum vergleichen läßt. Nur wenn sie in ihrer Freizeit in der schönen alten Halle beieinander sitzen oder im Park spazierengehen, dann fühlen sie sich als ‚richtige Burgfräulein‘.

Dazwischen aber liegt ein arbeitsreicher Tag, bei dem die Arbeitsmaiden mit der Bevölkerung des schönen Westfalenlandes in engsten Kontakt kommen. Früh morgens besteigen sie ihr Stahlroß und radeln zu den Bauern, um ihnen gerade jetzt im Kriege, da so mancher Jungbauer und Knecht an der Front steht, eine tatkräftige Hilfe zu sein. Sie lernen aber nicht nur, sich in einem anderen Lebenskreis zurechtzufinden, lernen nicht nur andere Lebensgewohnheiten kennen; darüber hinaus tragen sie Freude ins bäuerliche Haus, lernen aber vor allem die Achtung der Arbeit. Der Handarbeit.“

Berichte von ehemaligen Arbeitsmaiden sind also hoch erwünscht. Bitte nehmen Sie Kontakt zu uns auf.