1964-1978 Hotelzeit

KaffeegartenIm Jahr 1964, nach dem Tod seines Vaters Gebhard v. Spiegel, musste Raban v. Spiegel Groß Engershausen den Stammsitz der Spiegel’schen Familie – Spiegelsberge bei Bielefeld – übernehmen und bewirtschaftete zunächst beide Güter. Doch bald war es notwendig, seine gesamte Energie dort einzubringen. So stellte sich die Frage nach dem weiteren Schicksal des Gutes.

Zu dieser Zeit plante das Landesstraßenbauamt, dass es eine Umgehung der Bundesstraße 65 (von Osnabrück nach Minden) um die Stadt Preußisch Oldendorf geben sollte. Wäre diese Planung Realität geworden, wäre die Straße direkt hinter dem Park vorbei geführt worden. Raban v. Spiegel rechnete sich aus, dass es angesichts dieser Straßenführung gute Chancen für ein neues Hotel geben könnte. Er verkaufte das zum Gut gehörige Land und baute das Herrenhaus entsprechend um.

Beim Umbau wurde stark in die Bausubstanz und in das Erscheinungsbild des Hauses eingegriffen: Im Inneren wurden Übernachtungszimmer mit Badezimmern ohne Rücksichtnahme auf die ursprüngliche Raumteilung geschaffen, die bauzeitlichen brüstungshohen Wandvertäfelungen aus Rahmen und Füllung wurden durch ähnliche aus Spanplatten ersetzt, die bauzeitlichen Zimmertüren durch zeitgemäße mit rustikalem Erscheinungsbild. Stuckdecken wurden herausgerissen und abgehängt, Fußbodenbeläge der Erbauungszeit mit Spanplatten und Teppichböden belegt und die spätbarocke Treppe mit einem roten Teppichboden überzogen. Es gab eine neue Zentralheizung (Ölheizung), deren Rohre ungedämmt durchs offene Treppenhaus und die Halle verliefen und im Erdgeschoss entstanden zwei große Esssäle für das Restaurant. Den restlichen Teil des Geschosses füllte eine große, an den Wänden grau geflieste Hotelküche mit Großkochgeräten aus.

An den Fassaden hatte Raban v. Spiegel bereits 1956 den abgängigen Putz abgeschlagen und das Fachwerk sichtbar gemacht: die Hölzer wurden dunkelbraun, die Ausfachungen beige gestrichen. Die Fenster, die aus der Umbauphase um/nach 1838 erhalten waren, wurden durch Fenster mit „barocker“ Sprossenteilung ausgetauscht. Ein für damalige Zeiten sehr komfortables und geschmackvolles, in grau-beige-goldenen Farben gehaltene „Schloss- und Reiterhotel“ entstand. Es gab auf der Südseite des Hauses ein ansprechendes Gartenkaffee und der Pavillon wurde als Reiterbar genutzt.

Im Jahr 1965 wurde das Hotel verpachtet an einen Koch mit gutem Ruf, der einen Vertrag über 12 Jahre abschloss. Die Wirtschaftsgebäude standen seither weitgehend leer; lediglich ein Nachbarbauer mästete noch Schweine in der gegenüber liegenden Fachwerkscheune.

Der Betrieb ließ sich gut an. Das Haus wurde sehr gut angenommen und vor allem die Küche hoch gelobt. Das Restaurant war ein Treffpunkt für örtliche Honoratioren und auch für den Rotary-Club Lübbecke. Noch heute können viele Besucher aus der Umgebung Geschichten von Familienfesten erzählen, die hier gefeiert wurden: Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten waren an der Tagesordnung und die Gäste nutzten die romantische Kulisse, um Fotos für das Familienalbum zu schießen.

Auch das Hotel hatte bald seine Stammbesucher. Olga v. Spiegel erzählt, dass es Gäste gab, die nur im Mai kamen, um die Nachtigallen zu hören und auf Tonband aufzunehmen. Manche waren gerade darüber auch nicht so amüsiert; eine Dame beschwerte sich z.B., sie hätte nicht schlafen können, weil „„der Nachtigall so gebrüllt““ habe.

Der Betrieb verlief also über längere Zeit gut, bis irgendwann  die Wende einsetzte. – Manche munkelte, die Scheidung und Neuverheiratung des Pächters hätte dabei eine gewisse Rolle gespielt. –Die Künste des Kochs ließen nach und auch die Qualität der Bewirtung und der Hotelführung. Folgerichtig blieben Besucher und Gäste aus und der gute Ruf des Hauses litt zusehends. Um einer Insolvenz zu entgehen, gab der Pächter im Jahr 1978 den Betrieb auf und pachtete ein neues, kleineres Restaurant im nahe gelegenen Lübbecke. Das Schloss-Hotel stand leer.

Raban v. Spiegel musste nun abends von Bielefeld nach Preußisch Oldendorf fahren, um im Hotel zu übernachten und das Haus vor Einbruchsversuchen zu schützen; ein unhaltbarer Zustand. In dieser Situation fragte er seinen ältesten Sohn Carl-Maria v. Spiegel und dessen Lebensgefährtin Hiltrud Brocke, die damals beide als Sozialpädagogen in Krefeld arbeiteten, ob sie bereit seien, das Haus zu übernehmen. Was dann passierte, ist unter dem entsprechenden Kapitel nachzulesen.