Die Fachwerkscheune

FachwerkscheuneDie Fachwerkscheune ist das älteste der Nebengebäude und wurde nachweislich bereits 1773 als Bestandteil des neuen Wirtschaftshofes gebaut. Sie liegt vis-á-vis gegenüber dem Herrenhaus – auf der anderen Seite der Gräfte. Rechts und links der Scheune wurden das Melkhaus und der Pferdestall errichtet; das eine als Backsteinbau; der andere baugleich in der Ausführung als Fachwerkgebäude. Die Fachwerkscheune ist eine Scheune in Vierständerbauweise mit breiter Durchfahrtsdeele und sie wurde bis in die 1960er Jahre ihrem Zweck entsprechend für die Landwirtschaft des Gutes Groß Engershausen genutzt. Der Pferdestall wurde leider im Jahre 1958 abgerissen.

Die Fachwerkscheune im Wandel der Zeit – Geschichte und Geschichten
Nach dem Krieg, als die Landwirtschaft von Raban und Olga v. Spiegel wieder aufgebaut wurde, diente diese Scheune als klassische Getreidescheune. Während der „Hotelzeit“ – also von 1964 – 1978 hatte ein Nachbarbauer aus dem Dorf Engershausen die Gebäude gepachtet. U.a. waren in der Fachwerkscheune seine Schweine untergebracht, die er mit Essens-Abfällen aus den umliegenden Restaurants fütterte. Insgesamt verfiel der gesamte Wirtschaftshof in dieser Zeit. Ein Berg von landwirtschaftlichem Gerümpel türmte sich fast so hoch wie das Scheunendach und die Ratten hatten das Regiment übernommen.

Nach der Übernahme des Gutshofes durch Hiltrud und Carl-Maria v. Spiegel war lange Zeit nicht klar, ob es eine Möglichkeit gäbe, den Wirtschaftshof und vor allem die große Scheune sinnvoll zu nutzen. Zunächst einmal säuberten sie den ganzen Komplex und es zogen nach und nach einige Schafe (Heidschnucken, Gotlandschafe und ostfriesische Milchschafe) ein. Der angrenzende Hühnerstall wurde wieder aktiviert und beherbergte u.a. „“Westfälische“ Totleger“ und Gänse. Hinzu kamen nacheinander verschiedene Reittiere, die schon in der Verwandtschaft Kinderdienste absolviert hatten: zunächst zwei Araberponys, dann das Mini-Shetlandpony „Fury“ und das etwas größere Pony „Findling“; später, als die Kinder größer wurden löste der etwas größere Araber die kleine „Fini“ ab. Findling (inzwischen über 40 Jahre alt) und Natascha erhalten heute noch das Gnadenbrot; die eine im neuen Stall auf dem Hof; die andere bei Bekannten.

Ab den 1980er Jahren gab es somit eine rege Mini-Landwirtschaft. Die Milchschafe wurden per Hand gemolken und aus der Schafmilch wurde teilweise Käse gemacht (der sogar schmeckte). Die Wolle wurde per Hand versponnen und mit verschiedensten Naturfarben wunderschön eingefärbt. Und an Winterabenden entstanden Wollpullover, Socken und auch kleine Teppiche. Auch der Webrahmen wurde aufgebaut und wieder eingesetzt. Olga v. Spiegel (sen.) vermittelte zu ihren Lebzeiten (bis 2014) mit großem Vergnügen die Techniken des Färbens und Spinnens auf historischen Märkten. Heute führt die Textilkünstlerin und Mitbewohnerin Dagmar Schwarzkopf diese Arbeit fort.

Mit den Hühnern gab es gemischte Erfahrungen: die Totleger bekleckerten sich nicht mit Ruhm (sie legten sich eben nicht tot) und sie scharrten am Liebsten in Nachbars Blumenrabatten. So musste ein Hühnerzaun her, der leider nicht gegen die lüsternen Räuber der Lüfte (die Bussarde) schützte und von den Hühnern ständig untergraben wurde. Zudem ist der Sozialcharakter von Hühnern gewöhnungsbedürftig, denn die Hackordnung dieser lieben Tiere entfällt auch nicht, wenn sie frei laufen. So wurden der Schutz und die Versorgung der Hühner ein sehr aufwändiges Unterfangen, das seinen Höhepunkt während des ersten und einzigen Versuchs einer eigenständigen Hähnchenmast fand. Diese niedlichen Federbällchen wuchsen in einem ungeheuren Tempo, bis der Zeitpunkt des Schlachtens kam. Das wollte niemand besorgen, also musste der Hausherr die Axt zücken. Mit Todesverachtung machte er die Tiere auf dem Hauklotz einen Kopf kürzer und lud sie auf eine Schubkarre, um sie zum Rupfen und Ausnehmen in die Waschküche zu befördern. Beim Warten auf die Weiterverarbeitung machten sich einige der toten Hähnchen selbstständig und spazierten ohne Kopf über die Wiese. Diese wunderbare Auferstehung war den Hühnerhaltern zwar nicht unbekannt, aber auch nicht sympathisch, so dass dieses landwirtschaftliche Kapitel bald abgeschlossen wurde.

Umbau / Restaurierung
Ende der 1990er Jahre reifte der Plan, die Fachwerkscheune unter weitgehender Wahrung des Scheunencharakters im Erscheinungsbild sowie der überkommenen Bausubstanz und der Raumstruktur im Inneren in zwei Wohneinheiten umzuwandeln. Es fanden sich Mieter, die die vordere Hälfte im Jahr 2001 zu diesen Bedingungen in Erbpacht übernahmen. Im Anschluss folgte der Umbau der hinteren Haushälfte, die dann im Jahr 2003 vermietet wurde.
Auf diese Weise konnte die Scheune für die Gesamtanlage erhalten werden und ist zugleich ein Beispiel für eine denkmalgerechte Sanierung unter Nutzung neuzeitlicher Kenntnisse der Bauphysik; u.a. der hervorragenden Wärmedämmung.

Heutige Nutzung
Die Fachwerkscheune ist heute ein Wohnhaus mit zwei Privatwohnungen, die nicht zu besichtigen sind. In der vorderen Scheunenhälfte wohnt u.a. Günter Ritter, der den Naturstaudengarten und den Geogarten angelegt hat und auch das Scherbenmuseum pflegt. Hofbewohner und auch Besucher profitieren von seinem fundierten Wissen auf den Gebieten Natur- und Vogelschutz sowie den verschiedensten Stil-Epochen auf dem Gebiet der Esskultur (Scherbenmuseum).
Die hintere Scheunenhälfte beherbergt u.a. den Schauraum der Vergolderei Bärbel Spilker; die dazu gehörige Werkstatt ist in die Remise umgezogen. .

  • Fachwerkscheune - Vorderansicht
  • Caro im Juni 2011
  • Fachwerkscheune - Seitenansicht
  • Fachwerkscheune - Seitenansicht