Geogarten und Scherbenmuseum

GeogartenGuenterDer Sammler
Im vorderen Teil der Fachwerkscheune wohnt Günter Ritter.
Er ist ein begeisterter Sammler mit einem speziellen Interesse an ‚kleinen Dingen’, die an den vergangenen und gegenwärtigen Natur- und Kulturalltag erinnern.

Fundorte/Fundstücke
Fundorte liegen vor der Haustür: Steinbrüche, Äcker, Wegränder und Hecken. Alle Fundorte haben ein typisches Fundmaterial: Versteinerungen, historische Scherben und Werkzeuge aus Feuerstein, Vogelfedern und Vogelnester.

Sammeln und Lernen
Die Untersuchung des Fundmaterials erschließt neben dem ästhetischen Reiz auch überraschendes geologisch-paläontologisches, archäologisches und ornithologisches Wissen.
Sammeln macht nicht nur Spaß, es macht auch schlau. Der Lerneffekt wird auf verschiedenen Ebenen erzielt. Der Umgang mit Dingen leitet zum autodidaktischen Lernen an. Der Sammler bringt sich selbst etwas bei.
Mit den Kenntnissen über die Sache eignet er sich auch Methodenwissen an. Er vergleicht Funde, ordnet sie, recherchiert, dokumentiert und präsentiert sie. Gleichzeitig ist das Sammeln in der Region immer auch ein Lernen über die Region im Sinne einer geographisch-lebensräumlichen Orientierung.

Aktivbereiche
Die konkret-praktische Umsetzung des Zielkomplexes findet in fünf Aktivbereichen statt.
Outdoor-Bereiche

  • Botanischer Wildstaudengarten (Schlossgelände)
  • Geologischer Garten (Schlossgelände)
  • Ornithologische Erkundung eines Heckengeländes (Engershauser Masch)
  • Geologische Erkundung eines Steinbruchgeländes (Lehrpfad Linkenbergsteinbruch)
    Indoor-Bereich
  • Lernkabinett (im Leimraum der ehemaligen Tischlerwerkstatt)

Aktivbereiche – kommentiert

Botanischer Wildstaudengarten
Ausgangspunkt war die Begrünung eines geteerten Scheunenhofes mit heimischen Ruderal- und Wegrandpflanzen.
Die Einrichtung eines Wildstaudengartens und die Pflege von Wegrändern stehen in engem Zusammenhang. Dem Einbringen von Samen in den Garten folgt die Wiederansiedlung in verarmten Habitaten. Lokale Pflanzbereiche sind Teile des Schlossgeländes und Saumbereiche des Hüfferortweges. Der gärtnerische Umgang mit Wildpflanzen fördert elementare Artenkenntnisse. Im Rahmen kleiner Buchprojekte entsteht Wissenswertes über Wegrandpflanzen.

Geogarten
Der Geogarten ist ein speziell präparierter Such- und Sammelplatz, bestückt mit vielfältigen Gesteinen und Fossilien aus der Region.
Häufung und Kontrastierung der Objekte prägen Material- und Formqualitäten nachhaltig ein. Wichtige Voraussetzung ist die Verfügbarkeit von ‚Anfassmaterial’. Es ermöglicht einen ‚handgreiflichen’ Umgang mit Gesteins- und Fossilarten. Sammelergebnisse werden in kleinen, spontanen Lernausstellungen vorgestellt und um selbstständig angefertigte Text- und Bildbeiträge ergänzt.
Der Geogarten dient auch als Vorbereitung auf die Erkundung des Linkenbergsteinbruchs.

Ornithologische Erkundung eines Heckengeländes
(Sammeln in der Engershauser Masch)

Hecken gleichen doppelten Waldrändern und werden daher treffend als ‚kleine Schwestern des Waldes’ beschrieben. Charakteristische Erscheinungsbilder sind streifenförmige Busch- und Baumbestände. Bei fehlender bzw. vorhandener Baumschicht wird zwischen Nieder- und Hochhecken unterschieden. Beide Heckentypen kommen in der Engershauser Masch vor.

Vogelspuren – Vogelnester
Die Hecken in der Engershauser Masch sind ideale Nestverstecke. Es ist daher äußerst schwierig, Nester zu finden. Aber das ist auch gut so. Um Störungen zu vermeiden, verschiebt man die Suche besser auf den Herbst. Nach dem Laubabfall kann man überraschende Entdeckungen machen.

Vogelfedern
Um Federn zu finden, muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort suchen. Der richtige Ort sind die Masch-Hecken. Die richtige Zeit ist der Spätsommer, wenn das Brutgeschäft beendet ist. Dann wechseln nämlich viele Vögel alte Federn gegen neue aus. Sie sind in der Mauser.

Geologische Erkundung eines Steinbruchgeländes
(Sammeln im Linkenbergsteinbruch)
Erdgeschichtlich öffnet der Steinbruch am Linkenberg ein Jurafenster. Vor 160 Mill. Jahren wechselten hier Meer und Land ständig ab. An Land waren die Dinosaurier die auffälligsten Tiere, im Meer die Ammoniten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Steinbrüchen im Wiehengebirge ist der Steinbruch am Linkenberg eher fossilarm. Dafür punktet er aber mit einer abwechslungsreichen Schichtung aus Kalkstein, Sandstein und Tonstein.
Es lohnt sich, Proben mitzunehmen und das Sedimentationsgeschehen und seinen Einfluss auf das Landschaftsbild vor 160 Mill. Jahren zu untersuchen.

Lernkabinett
Das Lernkabinett ist ein didaktisches Modell für eine weitgehend selbstständige Auswertung des Sammelmaterials. Erfolg versprechend ist ein speziell eingerichteter und didaktisch besonders aufbereiteter Raum. Dadurch gewinnt der Umgang mit ‚kleinen Dingen’ trotz hoher Komplexität an Übersichtlichkeit.
Eine elementare Ordnung wird durch die Einteilung nach Sammelbiotopen erreicht, ergänzt um inhaltlich fachliche Perspektiven.

Steinbrüche – Fenster in die Erdgeschichte

  • Karbon – versteinertes Grün
  • Jura/Kreide – Wer ist wer im Urzeit-Meer?
  • Eiszeit – Mammutzeit

Ackerfunde – Müll mit Geschichte

  • Jungsteinzeit
  • Mittelalter
  • Frühe Neuzeit

Wegränder – grüne Verstecke

  • Vogelspuren – Federn
  • Vogelspuren – Nester
  • Nahrungsgäste – Schmetterlinge

Was die weitere didaktische Aufbereitung betrifft, so ist eine Bibliothek nützlicher Bestandteil, wobei eine Schwierigkeitsstufung der Texte notwendig ist. Wichtig sind auch regelmäßige Ausstellungen. Als kleine ‚Attraktionen’ regen sie zur Nachahmung an. Schließlich gehört ein Werktisch zur Einrichtung. Aus Platzmangel wird eine mobile Lösung gewählt.

Kontakt mit Günter Ritter können Sie entweder per Telefon (05742/702070) oder per email (Heidi.Freudenstein@t-online.de) aufnehmen.